Warum Gesellschaften scheitern

Über die Jahrtausende hinweg sehen wir Gesellschaften scheitern und wieder auferstehen. Die Gründe für den Untergang so mancher Völker sind mannigfaltig, daher gibt es auch kein wirkliches Geheimrezept für das Scheitern. Dennoch ist es der Fall, dass einige Faktoren speziell zu diesen Niedergängen beitragen und sich auch gerne in der Geschichte wiederholen.
November 17, 2020
Max

Die Umwelt im Zentrum

Viele Zusammenbrüche vergangener Gesellschaften erfolgten aufgrund von Umweltproblemen. Dieser Thematik widmet sich unter anderem Jared Diamond in seinem Buch (Buchtipp!) „Kollaps- Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“. Das Überleben einer Gesellschaft hängt, so der Evolutionsbiologe, von folgenden fünf zusammenhängenden Faktoren ab, die hier anhand des Untergangs des Wikinger Volkes veranschaulicht werden sollen:

Menschlicher Einfluss auf das Ökosystem

Die Wikinger verursachten Bodenerosion und Entwaldung. Dies war deswegen problematisch, da ihnen die nötigen Wälder zur Herstellung von Kohle fehlten, welche  zur Eisenherstellung benötigt wurde. So galten sie als eine Gesellschaft der Eisenzeit, die kein eigenes Eisen herstellen konnte.

Klimawandel

Auch wenn die Wikingerzeit bereits um 1100 geendet hat, so gab es dennoch Abkömmlinge der Nordmänner, wie Erik den Roten, der sich mit einer kleinen Mannschaft von Wikingern auf dem heutigen Grönland niedergelassen hat. Um diese Insel für seine Mitmenschen attraktiver zu machen, rührte Erik, der Sage nach, kräftig die Werbetrommel und nannte das Stückchen Land einfach Grünland. Das zeigte Wirkung und rund 4000 Gesinnungsgenossen besiedelten über die Zeit Grönland. Die eigentlichen Bauern, welche ab und zu auf Raubzüge zogen, bauten Siedlungen und gingen ihren ruralen Tätigkeiten nach. Doch die Wikinger waren von einem Klimawandel betroffen, bei dem das Klima vor allem im späten 14. Und 15. Jahrhundert kälter wurde. So wurde das Leben auf der Insel immer herausfordernder und vom einen auf den anderen Tag aufgegeben.

Beziehungen zu Handelspartnern

Die Wikinger handelten mit dem Mutterland und Norwegen. Dieser Handel litt vor allem darunter, dass Norwegen immer schwächer wurde und weil das Meer zwischen Grönland und Norwegen durch das kältere Klima zufror.

Der Feind

Die Feinde der Wikinger waren vor allem die Inuit, die ebenfalls auf Grönland lebten und zu denen sie ein sehr schlechtes Verhältnis hatten.Die andauernden Abnutzungskämpfe schwächten die Nordmänner zusätzlich und trugen schlussendlich ebenfalls zur Erlöschung dieser bei.

Problemverdrängung

Vor allem die kulturellen Werte der Wikinger erschwerten es ihnen, Probleme zu lösen. Es handelte sich um eine sehr konkurrenzbetonte Gesellschaft, die sich zum Christentum bekannte und dadurch stark in den Bau von Kathedralen investierte. Des Weiteren hegten sie eine starke Abneigung gegen die Inuit, welche im Einklang mit der Natur lebten. Die Wikinger weigerten sich jedoch vehement dagegen, von diesem Urvolk zu lernen.

Erfolgsrezept zum Scheitern

Eine Zutat die eine Gesellschaft zu Fall bringen kann, ist ein Konflikt zwischen kurzfristigen Interessen von Entscheidungsträgern und langfristigen Interessen der gesamten Gesellschaft. Dies ist besonders verheerend wenn die Entscheidungsträger sich von den Konsequenzen ihrer kurzfristigen Interessen und Handlungen isolieren. Die Häuptlinge der Wikinger waren stark vom Konkurrenzdenken geprägt und strebten nach immer mehr Reichtum und Macht. Daher versuchten Sie ständig ihre Nachbarn zu übertrumpfen. Dies führte jedoch dazu, dass das Land ausgebeutet wurde und die Bauern in eine Abhängigkeit zwang, welche zwar kurzfristig zu mehr Macht und Reichtum führte, jedoch langfristig zum tatsächlichen Kollaps dieser Gesellschaft beigetragen hat. Die zweite Ingredienz sind Werte, die eine Gesellschaft zwar stärken aber zugleich das Lösen von Problemen verhindern. Der starke soziale Zusammenhalt und ihre gemeinsame Religion, halfen den Wikingern in der kargen Umgebung Grönlands zu leben. Dies führte aber auch dazu, dass sie von den ansässigen Ureinwohnern (Inuit) nicht lernen wollten sich an das neue Umfeld anzupassen und führte schlussendlich zu deren Auslöschung.

Wer ist der Nächste?

Die vorherrschende Situation bestärkt sicher einige Personen darin, dass wir die nächsten sind – so drastisch ist es aber dann auch wieder nicht. Dass sich aber etwas ändern muss, dessen sind wir uns wohl alle einig. Der jährlich erscheinende Global Risk Report des World Economic Forum, bietet eine Übersicht zu den globalen Bedrohungen unserer Gesellschaft. Die Top 5 sind von Umweltrisiken besetzt. Es liegt in unserem eigenen Interesse, diesen Bedrohungen entgegenzuwirken, um unsere Gesellschaft gesund und nachhaltig weiterwachsen zu lassen. Eine ausführliche Behandlung des Global Risk Reports findest du in unserem nächsten Blog.

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